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9. Essener Brandschutztage 2008

Tagungsbericht von Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss

Am 12./13. November 2008 fanden zum neunten Mal die Essener Brandschutztage im Haus der Technik statt. Unter der bewährten Leitung von Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss aus Friedberg (Bayern) kamen ca. 80 Teilnehmer und sieben Aussteller in Essen zusammen, um sich 15 Fachvorträge und drei Praxiseinlagen anzuhören.

Im Vortrag „Aktuelles aus dem Brandschutz“ berichtete Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss von aktuellen Brandfällen des letzten Jahres. Er machte darauf aufmerksam, dass es alle 52 Sekunden in Deutschland zu einem Feuerwehr-Einsatz durch Feuer kommt. Eine Brandstatistik (plus Feuerwehrstatistik) der deutschen Bundesländer mit den Daten 1970 bis 2004 ist in einer Datenbank unter www.vfdb.de verfügbar.

Dipl.-Ing. Karl-Christian Hahn, der Leiter Flughafenbrandschutz und Brandschutzbeauftragter der Fraport AG in Frankfurt gab eine Übersicht mit Zahlen und Fakten zum Frankfurter Flughafen, weiterhin auch Anregungen für die betriebliche Brandschutzpraxis anhand von Beispielen. Die Flughafen-Feuerwehr hat eine Gesamtstärke von 226 Mitarbeitern. Die aufgezeigten Risiken sind sehr umfassend: von den Tanklagern über Gasleitungen, Kerosin-Pipelines hin zu Brandabschnitten bis 56.000m2. 10.000 BMA-Abschaltungen erfolgen jährlich, ca. 800 temporäre Schweißgenehmigungen, 2.700 Feueralarme ereigneten sich im Jahre 2007.

Dass Technische Krisenprävention erforderlich ist, um Personen und Sachwerte proaktiv zu schützen, wusste Dipl.-Ing. Claus Pachurka von der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft anhand von Praxisbeispielen zu berichten. Und technische Krisenereignisse passieren öfter, als der Öffentlichkeit bewusst ist. Pachurka beschrieb das umfassende Spannungsfeld, in das ein Unternehmen plötzlich geraten kann.

Aktuelle Richtlinien und Normen aus der Brandmelde-Welt erläuterte Herr Bruno Fischer von der Firma Hekatron aus Sulzburg. Europäische Geräte- und Systemnormen, nationale Normen für die Planung, Installation und Instandhaltung von Brandmeldeanlagen, sowie die Zertifizierung der Kompetenz der ausführenden Fachfirmen und die kontinuierliche Anpassung der Normen an den Stand der Technik führen zu einem hohen Qualitätsstandard von Brandmeldeanlagen.

In einem anschaulichen Experimentalvortrag berichtete Herr Frank Scharf von der Firma Denios in Bad Oeynhausen, wie jedermann Gefahren beim Umgang mit Gefahrstoffen im betrieblichen Alltag souverän begegnen und meistern kann. Die Maßnahmen zur Gefahrenprävention wurden dabei nachhaltig mit Beispielen dargestellt.

Über mögliche Brandursachen und ihre Feststellung konnte Herr Wolfgang Holzmann als Sachverständiger für Brand- und Explosionsursachen vom Landeskriminalamt Niedersachsen berichten. Über die Brandursachenforschung näherte er sich den einzelnen Brandursachen, die er anhand von Beispielen und Statistiken belegte.

Professor Volker Hagebölling schloss den ersten Tag mit einem Vortrag über Risk Assessment in der Industrie ab. Als Geschäftsführer der Evonik Risk Engineering GmbH in Essen analysierte er Großschäden und deren Auswirkungen. Die Begriffe Risikoanalyse und Werteverteilung wurden beschrieben und die Aspekte wie Versorgung, Infrastruktur, Logistik mit ihren Abhängigkeiten hergeleitet. Aspekte wie „estimated maximum loss“ und „business continuity management“ rundeten seinen Vortrag ab.

Nach einer kurzen Abschlussdiskussion, die Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss leitete, wurden die Teilnehmer zum üblichen gemeinsamen Abendbrot im Rahmen eines Stehimbisses eingeladen. Hier bestand noch einmal die Gelegenheit, fachliche Aspekte mit den Referenten, Ausstellern und Teilnehmern auszutauschen.

Am zweiten Tag berichteten die Herren Karl van Stiphout und Jörg Henkel von HDI Gerling Sicherheitstechnik über die Thematik „Brandschaden – und was dann?“. Die Betriebsunterbrechungsanalyse und das Umsetzen der wichtigsten Erkenntnisse wurde den Zuhörern spannend näher gebracht.

Der entschuldigt abwesende Dipl.-Ing. (FH) Lutz Steffen Kalbas wurde mit seinem Vortrag „Brandschutz bei Großveranstaltungen und in Versammlungsstätten“ von seinem Chef Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss vertreten. Wie schnell Brandschutzmängel zu Katastrophen bei Großveranstaltungen und in Versammlungsstätten führen kann, wurde anhand von Beispielen beschrieben und begründet. Die Erfordernisse des vorbeugenden Brandschutzes wurden systematisch erläutert.

Dipl.-Ing. Michael Buschmann von der Firma Novar Honeywell ließ in seinem Fachvortrag die Brandmeldetechnik und die Sprechalarmierung zusammen wachsen. Er zeigte die Sprachalarmierung ganz flexibel auf und beschrieb die Systemintegration von Sprachalarmierungsanlagen.

Das Verhindern von Bränden und Explosionen bei der Bearbeitung von Leichtmetallen war Inhalt des Fachvortrags von Dr.-Ing. Wolfgang J. Friedl aus München. Er beschrieb neben den besonderen Gefahren die organisatorischen Schutzmaßnahmen, die Zündquellen, die Zoneneinteilung und die entsprechend erforderliche Geräteauswahl.

Dr. Achim Stöckmann von der Firma Safe-Tec in Kaarst öffnete das Verständnis der Zuhörer zu den beiden neuen Technische Regeln Arbeitsstätten – der ASR A1.3 zur Thematik „Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung“ und der ASR A2.3 „Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“.

Die Zuhörer wurden systematisch an die Thematik „Evakuierung – darauf ist zu achten“ vom Referenten Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss herangeführt. Ein weitsichtige Planung und richtiges Verhalten in Notfallsituationen führen nicht zu Katastrophen. Und über 80 Prozent der Fehler, die sich im Notfall zeigen, hätten durch ein vernünftiges Konzept verhindert werden können.

An die Erläuterungen schloss eine praktische Übung an: alle Zuhörer wurden aufgefordert, sich anhand des vorher hergeleiteten Evakuierungskonzeptes zum Sammelplatz des Hauses der Technik zu bewegen. Im Anschluss konnten die eingeteilten Evakuierungshelfer aber auch die Betroffenen selbst über i.d.R. positive Verhaltensweisen berichten.

Herr Thomas Hoff, Betriebliche Brandschutz-Schulungen aus Hamburg, und Herr August Meyer-Flotow von der Firma PER in Ahrensburg, spielten eine anschauliche Lage zur Thematik Verrauchung ein. Dabei wurde ein großer Schulungsraum verraucht, die Teilnehmer aufgefordert, sich anhand der optischen Sicherheitsleitsysteme in dieser Situation zurechtzufinden.

Falschalarme vermeiden – wie kann ich das erreichen? Die Gründe für Fehlalarme waren der Ansatzpunkt von Herrn Stefan L. Butszies vom Ingenieurbüro Voss, sich der Thematik zu nähern. Dabei ging er auch auf die Funktionsweisen der einzelnen Meldertypen ein.

Der vorletzte Vortrag – Referent war Herr Matthias Arnold – galt der Thematik Brandschutzübungen und Brandschutz-Unterweisungen. Herr Arnold informierte über die rechtliche Notwendigkeit und gab Hilfestellungen für die Durchführung.

Im letzten Vortrag informierte Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss über die Möglichkeiten des Internets als Informationsquelle im Brandschutz. Neben allgemeinen Informationen und Gefahrenhinweisen erläuterte Herr Voss die Internetsuchmaschinen und gab eine Übersicht über etwa 30 geläufige und hilfreiche Internetadressen zur Thematik Brandschutz.
 

Der Fachartikel wurde von der Tagungsleitung Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss aus Friedberg (Bayern) zusammengestellt. Für Fragen und Anregungen nehmen Sie bitte mit dem Autoren unter www.voss-arbeitsschutz.de Kontakt auf.
 

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