In Gefahrensituationen verhalten Menschen sich oft vollkommen widersprüchlich. Symbolbild zum Fachartikel von Jens-Christian Voss über Stress und Fehlverhalten.

Aktueller Fachartikel: Stress und Fehlverhalten in Gefahrensituationen

 

Stress und Fehlverhalten in Gefahrensituationen

Ein Fachartikel von Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss

1 Einführung

Wie gut können wir uns noch an die Szenen erinnern, als vom Unglück betroffene Menschen planlos umherirrten oder gar in den Freitod getrieben wurden: beim Flugabsturz von Ramstein, beim Attentat auf das World Trade Center in New York und bei dem als „MGM Grand fire“ in die Geschichte eingegangenen Hotelbrand in Las Vegas.

Menschen in einer lebensbedrohlichen Situation (z. B. nach einem Unfall oder während eines Brandes) zeigen oftmals ein Verhalten, das dem normalen gesunden Menschenverstand widerspricht, aber keinesfalls ungewöhnlich ist. Wir sind dann in einer Situation, die für uns unnormal ist – und wo Überlebensinstinkte angesprochen werden. In eine solche Notsituation kommen die meisten von uns zum Glück nicht, Betroffene meist nur einmal. Die Statistiken der Brandversicherer sagen z. B. aus, dass wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent ein Großschadensereignis erleben werden.

Daher ist es vor allem für Betroffene als auch für Rettungskräfte unerlässlich, verschiedene Verhaltensmuster und -besonderheiten näher kennenzulernen, um diese richtig einzuschätzen und Konsequenzen daraus ziehen zu können.

Dazu seien nachfolgend einige Beispiele näher dargestellt.

2 Beispiele

(1) Bei Hausbränden flüchten die Menschen wegen Luftknappheit und Hitzeentwicklung zu den Fenstern. Sprungbereit auf der Fensterbank empfinden sie raumseitig die Gluthitze, draußen dagegen die Kühle. Das ist ihre Entscheidungs-Alternative in dieser extremen Notsituation. Die Sprunghöhe und der tödliche Aufschlag werden mental nicht einkalkuliert. So wird auch die nur 50 cm entfernte Hand des Feuerwehrmannes auf der Drehleiter – und damit die ungewöhnliche Rettung – nicht wahrgenommen. Vor den Augen des Retters wird in die Tiefe gesprungen.

(2) Werden Menschen aus ihren brennenden Häusern gerettet, rennen sie meistens nach der Notversorgung durch die Rettungskräfte wieder in ihr Haus hinein, als ob sie die lebensgefährliche Notsituation nicht erkannt hätten.

(3) Wenn Menschen bereits lichterloh in Flammen stehen, z. B. nach einer Explosion oder nachdem sie mit Benzin übergossen wurden, um sie anzuzünden, rennen sie um ihr Leben und der unmittelbaren Gefahr davon. Sie wollen dem Feuer an ihrem Körper davonlaufen und entfachen es dadurch (permanente Sauerstoffzufuhr) noch stärker. Sie wälzen sich nicht am Boden (Feuer ersticken), und sie springen auch nicht ins Wasser – was eigentlich in der Theorie das übliche und richtige Verhalten wäre. Vielmehr flüchten sie – vermeintlichen Schutz suchend – unter einen Baum oder in eine Hütte; und verbrennen dort hilflos. Es sei denn, ihre brennende Kleidung wird in den ersten zwanzig Sekunden gelöscht. In diesem Löschzeitraum gibt es keine schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden. Ab 30 Sekunden Brennzeit lässt sich das nicht mehr ohne weiteres sagen.

Der Brennende hat eine in diesem Moment typische Verhaltensweise gewählt, die in diesem Fall jedoch vollständig falsch ist. Die Praxis zeigt hier weiterhin, dass es Ihnen als potenzielle Rettungskraft fast nicht möglich sein wird, die „davonlaufenden Betroffenen“ einzufangen oder festzuhalten.

(4) Wird eine heftige Explosion gesehen, z. B. Ramstein, bleiben doch viele zuerst einmal stehen, um sich zu vergewissern, ob dies wirklich so ist, wie sie es gerade gesehen haben. „Ich traue meinen Augen nicht“, sagt der Volksmund. Eine typische Lähmung, aber auch gewisse Faszination lässt hier falsch reagieren. Manche bemühen sich sogar, nochmals genauer hinzuschauen, indem sie sich dem Gefahrenherd nähern. Vielen wird diese Neugierde zum gesundheitlichen Verhängnis.

(5) Panikartige Aktionen entstehen in Räumen ohne Fluchtmöglichkeiten. Als Beispiele seien genannt:

  • steckengebliebener Fahrstuhl,
  • ins Stocken geratene Fluchtbewegungen auf Treppen, in Büro- und Werkstätten, die mit Möbel oder Geräten zugestellt sind
  • gefangene Räumlichkeiten ohne Sichtverbindung nach außen.

Selbst in Drehtüren gibt es bereits unvorstellbare Schwierigkeiten, da sich diese bei starkem Andrang nicht mehr vernünftig weiterdrehen lassen.

(6) Nicht selten verhalten sich Fliehende bei lebensbedrohlicher Feuerentwicklung rücksichtslos – so wie sie es in anderen Situationen niemals machen würden. Schwächere werden dann zur Seite gedrängt oder umgerannt. Diese wiederum haben im Ernstfall die Schwierigkeit, wieder „auf die Beine zu kommen“; ihnen wird in der Regel nicht von anderen geholfen. Aber statt Hilfe von anderen, werden die Schwächeren meistens noch „überlaufen“. Solche scheinbar belanglosen Situationen führten z. B. nach einem Konzert in Kiew, in einer Diskothek in Chicago nach einer Schlägerei auf der Tanzfläche und während eines Fußballspiels im Brüsseler Heysel-Stadion jeweils zu einer großen Katastrophe mit einer Vielzahl von Toten. Auf die Frage an die Beteiligten, warum sie nicht geholfen haben, können sie keine Antwort geben und wundern sich selbst über ihr Verhalten.

(7) Zu beobachten sind auch Reaktionen, deren Sinn nicht sofort eingesehen wird. Manche suchen die Gefahrenherde geradezu auf. Sie rennen z. B. einer Feuerwand entgegen, gehen in ein brennendes Kaufhaus (Beispiel: Kaufhausbrand in Brüssel Mai 1967 mit über 300 Toten).

Aber auch Einsatzkräfte in der unmittelbaren Gefahrenbekämpfung können Dinge übersehen oder falsch bewerten:

(1) Feuerwehrkräfte konzentrieren sich bei Rettungsaktionen immer auf die bedrohten Menschen und den Brandherd. Daher kann es vorkommen, dass explosionsgefährliche oder hochentzündliche Substanzen (z. B. Benzinkanister, Gasflaschen), die in dieser Situation eine bedrohliche Lebensgefahr auch für die Rettungskräfte darstellen, übersehen werden.

(2) Schwierigkeiten kann es mit der Raumorientierung dann geben, wenn in verqualmte Räume eingedrungen wird und bei mehreren Richtungsänderungen der Ausgang nicht mehr gefunden wird. So kann bereits eine Vierteldrehung in einer verrauchten Umgebung bereits zu einer absoluten Orientierungslosigkeit führen. Wäre der Raum z. B. nur dunkel und nicht verraucht, würde sich der Betroffene hier im allgemeinen sicherer bewegen. Der Faktor „Verrauchung“ stellt eine ungemeine Erschwernis dar, die von Betroffenen nur schwer handhabbar ist. Auswertungen von Bränden haben gezeigt, dass Betroffene durchschnittlich nur noch 10 m in verrauchten Bereichen laufen werden (Beispiel: Kapruner Kitzsteinhornbahn 2000 mit 155 Toten).

(3) Der Drehleitermaschinist bewältigt in der Regel mit seinem Bedienfeld alle drei Dimensionen der Drehleiter integriert und bei Übungen „blind“. So ist er in nur wenigen Sekunden z. B. in der vierten Etage. Fährt der Drehleitermaschinist mehrere anstrengende Einsätze, dann bewältigt er die vier Ebenen der Drehleiter nur noch hintereinander. Er benötigt sehr viel mehr Zeit – und kann hinterher auch nicht mehr sagen, warum das so war.

(4) Für Rettungskräfte besteht die Hauptaufgabe darin, sofort zu helfen. Diese Hilfs- und Rettungsaktion kann in einer terroristischen Lage lebensgefährlich sein. Durch Mehrfachzündungen sind taktisch-operativ die Rettungsmaßnahmen der
eintreffenden Kräfte in das Zerstörungskalkül eingeplant. So werden auch Flucht- und Rettungswege mit in die terroristische Lage eingebaut, dort z. B. eine zweite Bombe während der Räumungsmaßnahmen inmitten der Menschen gezündet.

(5) Im Einsatz gibt es eine typische Fehlerkette, die zu beachten ist. Sie beginnt mit falschen Griffen an einem Gerät, steigert sich in der Regel auf drei Fehlgriffe pro Minute und eskaliert dann zum „Schrotschussverhalten“. Der Volksmund spricht hier von Hektik. Die Ursache liegt darin, dass die Übersicht in der Notsituation verloren gegangen ist. Dadurch steigt die Griffzahl pro Zeiteinheit, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, noch einen Grifftreffer in dieser verfahrenen Situation anzubringen. Haben Sie selbst nicht auch schon in einfacheren Situationen beobachtet, wie kopflos man in Hektik reagieren kann?

(6) Wenn Kinder im Brandbereich sind, kann es zu Schwierigkeiten in der Aufgabenbewältigung kommen. Feuerwehrmänner, die selbst Kinder haben, sind davon stärker betroffen als kinderlose. Daher reagieren sie oftmals überstürzt. Ähnliches kann passieren, wenn Hilflose betroffen sind (z. B. alte Menschen oder Schwerbehinderte).

(7) Rettungskräfte sind nach einem Einsatz oftmals erschöpft. Das ist zu respektieren. Möglicherweise machen sich auch traumatische Beschwerden bemerkbar. Beispiel: Zugunglück von Eschede im Juni 1998 mit 101 Toten. Heute noch kämpfen Einsatzkräfte mit den traumatischen Erlebnissen von damals.

Krisenverhalten des Führungspersonals:

(1) In kritischen Lagen kommt es oftmals zu Fehlentscheidungen und Entscheidungsverzögerungen. Zu viele Eindrücke bei viel zu kurzen Entscheidungszeiträumen in einer unüblichen Notsituation bedingen dies.

(2) Meldungen werden falsch gelesen, und zwar weil die Sätze zu lang und die benutzten Begriffe neu sind. So wird z. B. Chlorethen als Chlorgas gelesen, weil Chlorgas bekannter ist als Chlorethen. Die Lage wird teilweise verkannt, eingeleitete Maßnahmen sind ggf. nicht richtig.

(3) Führungspersonal geht nicht selten mental „fremd“, d. h. manche Führungskräfte treten aus dem Lagegeschehen im Ernstfall aus. Sie leben nicht mehr in der Lage, sind abwesend oder beschäftigen sich mit anderen, unrelevanten Dingen. So wird in der Fachliteratur der Fall eines führenden Mitarbeiters der Betrieblichen Katastrophenorganisation eines Großunternehmens beschrieben, der während eines Großschadensereignisses anfängt, im Internet seinen Urlaub zu buchen.

(4) Führungspersonal setzt sich je nach Belastungszunahme manchmal von der Lage ab. Es geht auf die Toilette oder ins Betriebsrestaurant und kommt nicht wieder.

(5) Mitarbeiter laufen unter dem Eindruck der Notsituation nicht zur zugewiesenen Sammelstelle, sondern setzen sich ins Auto und fahren „im Schock“ nach Hause. Bei der Aufarbeitung eines Brandfalls in einem deutschen Unternehmen wurde auffällig, dass nicht nur ein Drittel des Personals nicht an die zugewiesene Sammelstelle kam, ein Mitarbeiter fuhr unter dem Einfluss des Geschehens mit seinem Auto fast 200 km auf der Autobahn, bevor „er zu sich kam“. Auf die anschließend klärende Frage nach dem Warum, konnte der Mitarbeiter sich an nichts erinnern …

(6) Bemerkenswert ist, dass selbst bei chemischen Schadenslagen (z. B. Explosionsgefahr) oftmals zu spät geräumt wird. Man will es nicht glauben, dass z. B. eine chemische Wolke oder Emissionen ein Firmengebäude oder einen Stadtteil bedrohen können.

(7) Wenn im Ernstfall nichts mehr läuft, bilden sich im Lagezentrum oftmals „Partyeffekte“ aus, d. h. es entstehen Diskussionsgruppen, in denen nur noch diskutiert wird, während die Lage davonläuft. Entscheidungen werden nicht mehr bzw. nur noch unnötig verzögert getroffen.

(8) In kritischen Lagen gibt es Führungskräfte, die überall und nirgends sind. Dann bahnt sich das erwähnte Schrotschussverhalten an. Es besteht darin, dass z. B. der Einsatzleiter mit dem Argument an den PC geht, alles selber machen zu wollen.

(9) Führungskräfte reden immer mehr, wenn sie merken, dass ihnen die Lage davon läuft. In diesem Belastungsstadium hat zwar das vermehrte Reden keinen Sinn mehr, es wird aber als Schrotschusssprache benutzt, um vielleicht doch noch den einen oder anderen zu erreichen. Die Situation verfährt sich immer mehr, entscheidendes Führungspersonal ist kaum noch erkennbar.

(10) Chemie-Attentate und Brandanschläge werden im Führungsbereich oftmals verharmlost oder gar ignoriert. Diese Beispiele reichen aus, um auf das breite Spektrum möglichen Gefahrenverhaltens hinzuweisen.

Die Frage nach den Ursachen solchen Fehlverhaltens ist zu stellen.

3 Ursachen des Fehlverhaltens in Bedrohungslagen

Sogenannte „Psychozerebrale Prozesse“, die für das Überleben in unterschiedlichen Situationen zuständig sind, ähneln sich sehr. Das gilt vor allem dann, wenn sich der Überlebenskampf mit hohen Belastungen verbindet. Gesprochen wird in diesem Zusammenhang von einem dysfunktionalen Stressprofil. In ihm steckt nicht der angenehme, sondern der unangenehme Stress. Wenn in den folgenden Ausführungen von Stress gesprochen wird, dann ist immer der dysfunktionale gemeint. Er zeichnet sich dadurch aus, dass sich Fehler im Wahrnehmen, Denken und Handeln bemerkbar machen. Die Lage gerät außer Kontrolle – und lässt sich meistens nicht mehr einfangen.

Beginnt die Lage davonzulaufen, ist dies der Augenblick, in dem Einsatz- und Führungspersonal die Übersicht verlieren. Beteiligt daran ist der genannte Stress. Stress hat dabei zwei Ursachen, und zwar entweder Informationsüberlast oder Informationsentzug.Bei der Überlast kommt es zu einer Überforderung der akuten Informationsverarbeitung, beim Informationsentzug dagegen zu einem Informationsvakuum. Bei Überlast haben wir z. B. mehrere Gefahrenherde, die gleichzeitig zu bekämpfen sind. Bei Entzug wissen die Einsatzkräfte z. B. nicht, was brennt und ob Verschüttete nach einer Explosion noch unter den Trümmern liegen. Die Überlast-Entzugs-Relation in der Informationsverarbeitung bekommt noch eine weitere Stressursache, und zwar die Bewertung einer gefährlichen Situation. Wird eine Lage als bedrohlich eingestuft, z. B. „das schaffe ich nicht“, dann löst dies umgehend Stress aus. Wird die Lage dagegen als Herausforderung eingestuft, entsteht kein Stress.

Die gesamten Prozesse sind an die Informationsverarbeitung der Einsatzkräfte gebunden. Diese ist aber limitiert. So werden im Arbeitsspeicher des Gehirns visuell drei bis fünf Objekte pro Sekunde aufgenommen, auditiv und taktil nur drei. Erinnert werden auch nur drei Sachverhalte und ausgeführt werden können gemäß dieser Gehirnlogik auch nur drei Griffe und drei Wörter in der Sekunde.

Die Verknüpfungsmenge liegt ebenfalls bei drei Verknüpfungen in der Sekunde. Wesentlich ist, dass die angekommene und erinnerte Informationsmenge etwa fünf bis sechs Sekunden gegenwärtig gehalten werden kann, um taktische Maßnahmen oder Rettungsaktionen in Gang zu bringen. Dieses Zeitfenster heißt Gegenwartsdauer.
Das Gesamtvolumen in unserem Arbeitspeicher beträgt nur 15 Informationseinheiten. Dieses Gesamtvolumen wird Informationshaushalt
genannt.

Ermüdung, Hunger und Durst, aber auch akute Einsatzüberforderungen tragen dazu bei, dass sich der Informationshaushalt reduziert. Stress entsteht, weil die Lage nicht mehr übersehen wird. Der Informationshaushalt kann bei hohen Stresslagen gegen Null gehen. Panik ist im Verzug. Zuvor ist die Aufmerksamkeit erheblich eingeschränkt. Hier liegen die Gründe, weshalb plötzlich einiges übersehen und überhört wird. Das eingangs erwähnte Gefahrenverhalten lässt sich damit größtenteils erklären, wenn auch nicht akzeptieren.
Die Gegenwartsdauer ist außerdem eine grundlegende Sicherheits- und Überlebensgröße in unserem Gehirn. Bei ihrer vollständigen Funktionsgüte können wir z. B. 15 Wörter des Sprechfunks ohne weiteres behalten, um ihn in die laufende Aktion einzuordnen.

Was geschieht aber, wenn sich die Gegenwartsdauer aufgrund von Hochstresslagen reduziert? Je weiter sie zurückgeht, umso weniger Wörter können noch verstanden werden. So gibt es Gefahrensituationen, in denen bei einer Gegenwartsdauer von einer Sekunde nur noch zwei bis drei Wörter aufgenommen werden können. Dies bedeutet, dass die Sätze im Sprechfunk diesen Zeitbereich nicht überschreiten dürfen. Die Satzlänge im Sprechfunk muss sich immer dem akuten Stresszustand der Einsatzkräfte anpassen. Signal- und Codewörter können den Sprechfunk in einer kritischen Lage daher entlasten. Sie sind aber vorher abzusprechen. Solche Kommunikationseinschränkungen gelten auch für die Anwohner / Bevölkerung. Sie ist für solche Einsätze nicht ausgebildet. Daher sind hier besondere Sprachregelungen, z. B. bei Räumungen und Evakuierungen vorzunehmen.

4 Empfehlungen für die Ausbildung

Wenn die Ursachen eines Fehlverhaltens bekannt sind, ist die Ausbildung darauf auszurichten, diese Ursachen aktiv zu reduzieren oder zu beseitigen. Dazu können folgende Empfehlungen aus der Praxis beitragen:

1. Einsatz- und Führungspersonal ist stressresistent auszubilden, damit in belastenden Lagen keine wesentlichen Einbrüche der Informationsverarbeitung auftreten.

2. Je intensiver taktische Maßnahmen, Einsatzfertigkeiten und das instrumentelle Führungshandwerk gedrillt worden sind, umso stressstabiler ist das Verhalten.

3. Für das Einsatztraining des Personals sollte viel Zeit zur Verfügung gestellt werden. Planübungen (z. B. für Räumungen aufgrund eines Brandes oder einer Bombendrohung) sollten mit den Mitarbeitern und Rettungskräften eines Unternehmens gemeinsam durchgeführt werden. Dafür muss das Unternehmen aber über ein betriebsspezifisches, an die typischen Gefahren angepasstes Notfallkonzept verfügen, das mit den externen Rettungskräften abzugleichen ist.

4. Sprechfunk ist für Notlagen speziell auszubilden und fortwährend zu üben. Hochstresslagen verlangen kurze Sätze in der Sprachkommunikation.

5. Die Ausbildung sollte in ihren Strategien auf Bedrohungsszenarien der Zukunft angepasst und ausgerichtet sein. Während bisher Personenschäden bei solchen Szenarien ausgeschlossen werden konnten (Ziel war das Hervorrufen von hohen Sachschäden), ist es zukünftig wiederholt erklärtes Ziel, genau diesen Personenschäden zu erzeugen.

5 Fragenkatalog

Sind in Ihrem Unternehmen folgende Fragen beantwortet ?

  • Ist den Vorgesetzten die Thematik „Notfallmaßnahmen“ ausreichend geläufig? Sind hieraus Maßnahmen für das Unternehmen abgeleitet ?
  • Ist jedem Mitarbeiter das Verhalten bei Erster Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung bekannt?
  • Existiert in Ihrem Unternehmen ein Evakuierungskonzept und eine Betriebliche Katastrophenorganisation?
  • Sind entsprechende Verantwortungen mit Befugnissen genau benannt und bekannt?
  • Werden Evakuierungsmaßnahmen in regelmäßigen Zeitabständen zusammen mit den Rettungskräften geübt?
  • Ist Einsatz- und Führungspersonal stressresistent ausgebildet?
  • Sind in Ihrem Unternehmen bereits Vorträge zum Thema „Stressverhalten im Notfall“ durchgeführt worden (z. B. durch den Betriebsarzt)?
  • Sind Meldeketten für Krisenfälle beschrieben?
  • Steht Sprechfunk zur Verfügung?
  • Sind entsprechende Meldungen bei Krisen kurz, knapp und eindeutig?
  • Existieren Signal- und Codewörter beim Sprechfunk in einer kritischen Lage?

 

Autor:

Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss, Jahrgang 1965, ist Elektroingenieur und Fachkraft für Arbeitssicherheit seit 27 Jahren. Er hat ein Ingenieurbüro in Friedberg (Bayern) und macht Gutachten, Stellungnahmen und Schulungen weltweit. Seit ist Voss Referent im Haus der Technik (HDT) für Themen der Arbeitssicherheit, des Brand- und Explosionsschutzes. Seit Dezember 1998 leitet er für das HDT unter anderem die „Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten“ und die „Weiterbildung von Brandschutzbeauftragten“. Daneben moderiert er seit vielen Jahren auch die „Essener Brandschutztage“.

 

Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss im Gespräch mit dem HDT

Jens-Christian Voss im Gespräch mit dem HDT

Die Leidenschaft für Sicherheitsthemen entflammen

 

Jens-Christian Voss ist seit 1997 Referent im Haus der Technik (HDT) für Themen der Arbeitssicherheit, des Brand- und Explosionsschutzes. Seit Dezember 1998 leitet er für das HDT unter anderem die „Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten“ und die „Weiterbildung von Brandschutzbeauftragten“.

Daneben moderiert Voss seit vielen Jahren auch die „Essener Brandschutztage“, die 2019 zum 20. Mal stattfinden und zu den Pflichtterminen der Branche zählen – stets begleitet durch diverse Fachausstellungen und Präsentationen aktueller Dienstleistungen und Produkte.

Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

 

HDT: Herr Voss, Sie sind nun knapp 22 Jahre lang im beziehungsweise für das Haus der Technik aktiv. Wie kam es eigentlich dazu?

Voss: Bereits Mitte der 1990er-Jahre hielt ich regelmäßig die Halbjahresprogramme des HDT in der Hand und fragte mich, ob ich bei diesem renommierten Schulungsträger nicht auch mal „anklopfen“ sollte. Ich rief damals im Dezember 1996 die Fachgebietsleiterin Arbeitsschutz, Frau Jasper, wegen eines Vorstellungstermins an. Im Januar 1997 hatte ich mein persönliches Gespräch und bereits im Juni 1997 dann mein erstes Seminar.

HDT: Was unterscheidet das Haus der Technik von anderen Schulungsträgern?

Voss: Das sind sehr viele Sachen. Ich schätze die Professionalität der Kollegen. Auch mag ich es, dass die Referenten ebenso wie die Teilnehmer sehr persönlich angesprochen werden. Im Kollegium – bis hin zum Geschäftsführer, Herrn Professor Klaffke – wird viel Wert auf gemeinsame Konzeption gelegt. Hier zählt auch meine Meinung. Das macht mich stolz und motiviert, immer wieder neue Ideen und Anregungen einzubringen.

Ich finde es außerdem sehr gut, dass wir im Anschluss an jede Veranstaltung die Bewertungen der Teilnehmer gewissenhaft durchsprechen, um zu schauen, ob wir richtig liegen – oder ob etwas nachzubessern oder zu ergänzen ist. Diese Ernsthaftigkeit und Offenheit für Kritik imponiert mir.

HDT: Sie sind ja mittlerweile jede zweite Woche für das Haus der Technik unterwegs. Wollen Sie nicht mal nach Essen ziehen, so viel wie Sie hier sind?

Voss: (lacht) Garantiert nicht. Ich bin gut in Bayern mit Familie, einer Vielzahl von Tieren und meinem Tierschutz integriert.
Die Fahrerei ist nicht das Problem – dafür bringt mir die Arbeit hier viel zu viel Spaß und Befriedigung. Außerdem ist der Hauptbahnhof in Essen genau gegenüber. Auch die Niederlassungen in Berlin und München sind bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

HDT: Werden Sie noch lange für das Haus der Technik schaffen?

Voss: Die Arbeit mit den Kollegen hier bringt nach wie vor wahnsinnig viel Spaß, es gibt also keinen Grund aufzuhören. Und solange ich den Teilnehmern hochwertige Unterrichte geben kann und es mir immer noch gelingt, bei ihnen Leidenschaft für meine vorgetragenen Sicherheitsthemen zu entflammen, gerne.

HDT: Haben Sie ein besonderes Highlight aus Ihrer Arbeit mit dem HDT für uns?

Voss: Das kann man so einfach nicht sagen. Alleine die unterschiedlichen Veranstaltungsorte lesen sich wie der Katalog eines Reiseveranstalters: von Garmisch-Partenkirchen über Kloster Andechs, Bingen, Koblenz, Hamburg bis zum Timmendorfer Strand. Das Drumherum stimmt.

Ich schätze die Co-Referenten, die sich mit ihrer Erfahrung in die Qualität der Veranstaltungen mit einbringen – da lernen Sie ganz schöne Freaks kennen.

Die Teilnehmer, die aus allen Branchen kommen, und die Diskussionen in den Veranstaltungen durch die Schilderung ihrer Praxisprobleme oder auch Lösungsansätze bereichern – das ist auch für mich eine Erweiterung meines Horizontes, die mich weiterbringt.

HDT: Was zaubert auch heute noch nach 22 Jahren immer wieder ein Lächeln auf ihre Lippen, wenn Sie mit dem Haus der Technik arbeiten?

Voss: Ich kann sagen, dass ich im HDT über die Jahre Freunde gefunden habe. Ich komme hier ins Haus und werde sofort von den Mitarbeitern höflich begrüßt und mit dem Namen angesprochen – vom Geschäftsführer über die Haustechnik bis zu den netten Damen und Herren, die mit Getränken und Leckereien für das Wohl der Gäste sorgen. So läuft das bei anderen Schulungsträgern nicht – und ich kenne nach 35 Jahren Berufsleben praktisch alle. Ich sehe hier auch kein „Ellenbogen-Boxen“ unter den Kollegen, die Fluktuation des Personals ist gering. Ich habe nicht ständig neue Ansprechpartner.
Es sind so viele feine Nuancen hier. In der Zeit meiner Anwesenheit hier fühle ich mich einfach wohl und gerne gesehen.

HDT: Irgendeine abschließende Aussage von Ihnen?

Voss: Mir gefällt es, dass dieses Haus mit seiner 90-jährigen Tradition nicht eingerostet oder verstaubt ist, dass immer wieder am Image, an den Ideen und Themen sowie am Haus selbst gearbeitet wird. Ich bin sehr gerne hier und nutze einfach mal die Gelegenheit, Danke zu sagen für die tolle Zusammenarbeit in all den Jahren.

HDT: Vielen Dank für das Interview und Ihre offene Meinung, Herr Voss.

 

Zur Person:
Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss, Jahrgang 1965, ist Elektroingenieur und Fachkraft für Arbeitssicherheit seit 27 Jahren.
Er hat ein Ingenieurbüro in Friedberg (Bayern) und macht Gutachten, Stellungnahmen und Schulungen weltweit.

Den großen Knall verhindern: Essener Explosionsschutztage

Mittlerweile zum 13. Mal bietet das Haus der Technik vom 18. – 19. September 2019 mit den Essener Explosionsschutztagen zu den aktuell wichtigen Themen des Explosionsschutzes umfassende Informationen und Anregungen – nicht nur für Fachleute. Untermalt wird die Tagung wieder von einer umfassenden begleitenden Fachausstellung, auf der Hersteller und Dienstleister ihre neuesten Produkte präsentieren. Die praxisnahen Vorträge, jeweils mit anschließender Diskussion, geben nachvollziehbare Hilfen zur Umsetzung auch in Ihrem Betrieb, damit der „große Knall“ ausbleibt.

Video zu den 10. Essener Explosionsschutztagen

Aktuelle Informationen zu den 13. Essener Explosionsschutztagen

Zeitgemäße Antworten auf brennende Fragen: Essener Brandschutztage

Statistisch gesehen bricht etwa alle fünf Minuten in einem deutschen Unternehmen ein Feuer aus. Nicht selten hat das verheerende wirtschaftliche Folgen, die bis zur Insolvenz führen können – trotz Feuer- und Gebäudeversicherung. Vorbeugender Brandschutz kann somit gar nicht ernst genug genommen werden.

Wertvolle Aufklärungsarbeit leistet hier seit Jahren das Haus der Technik (HDT) – zum Beispiel mit seinen Essener Brandschutztagen, die 2018 bereits zum 19. Mal vom 13. bis 14. November stattfinden. Längst sind sie einer der wichtigen Branchentreffpunkte. Das Hauptaugenmerk liegt traditionell auf der besonderen Praxisnähe und der Umsetzbarkeit in den Betrieben – für ein deutliches Mehr an Sicherheit. Gleichermaßen typisch für die Essener Brandschutztage ist die begleitende Fachausstellung.

Video zu den 18. Essener Brandschutztagen

Aktuelle Informationen zu den 20. Essener Brandschutztagen

Essener Brandschutztage – Sat.1 berichtet

Zum inzwischen 18. Mal fanden die Essener Brandschutztage vom 14. bis 15. November 2017 wieder mit begleitender Fachausstellung und unter dem Motto „Informativ – spektakulär – aktuell“ statt. Die Redaktion von Sat.1 hat darüber berichtet.

Erneut hat das Haus der Technik in Kooperation mit namhaften Partnern und renommierten Referenten zu den derzeit wichtigen Themen des Brand- und Explosionsschutzes informiert und Fachleuten und Interessenten spannende Anregungen und umfangreiche Diskussionsmöglichkeiten geboten. Und wie immer lag das Hauptaugenmerk auf der besonderen Praxisnähe – der Umsetzbarkeit in den Betrieben für ein deutliches Mehr an Sicherheit.

Informationen zu den nächsten Essener Brandschutztagen finden Sie hier.

12. Essener Brandschutztage – Der offizielle Film

Wie immer auf zwei Tage konzipiert, fanden auch die 12. Essener Brandschutztage am 23.-24. November 2011 erneut große Resonanz.

In Kooperation mit namhaften Partnern und renommierten Referenten lieferte das traditionell wichtige Branchenevent insgesamt rund 100 teilnehmenden Fachleuten und Interessenten umfassende Informationen und Anregungen zu den derzeit wichtigen Themen des Brand- und Explosionsschutzes.

Neben den Vorträgen und anschließenden Roundtable-Gesprächen mit Diskussionen, vertiefenden Analysen und Bearbeitungen von konkreten Beispielen, konnte auch die umfassenden begleitende Fachausstellung überzeugen, auf der Hersteller und Dienstleister ihre neuesten Produkte präsentierten.

Als Fazit haben die Essener Brandschutztage einmal mehr ihre Rolle als anspruchsvolles Forum für die Vermittlung wertvoller praxisnaher und nachvollziehbarer Hilfe zur Umsetzung in Betrieben unter Beweis gestellt. Das ist insbesondere auch angesichts der Tatsache begrüßenswert, dass die Bedeutung des Brandschutzes oft genug noch immer unterschätzt wird, wofür Unternehmen mitunter einen hohen Preis bezahlen.

 

 

Ankündigung:
17. Essener Brandschutztage im November 2016

Mittlerweile zum siebzehnten Mal finden die Essener Brandschutztage am 23.-24. November 2016 im Haus der Technik in Kooperation mit namhaften Partnern und renommierten Referenten (Praxisbeiträge von Brandversicherern, Feuerwehren, Universitäten und Herstellern) durchgeführt.

Weitere Informationen zu den 17. Essener Brandschutztagen finden Sie hier.

Lehrgang „Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten“

Das HDT schult nach aktueller vfdb-Richtlinie 12-09/01 : 2014-08 (03) und DGUV Information 205-003. 10 Unterrichtseinheiten am Tag dürfen nicht überschritten werden! Demnach muss der Lehrgang bei 64 Unterrichtseinheiten also mindestens 7 Tage dauern, verteilt auf zwei Wochen. Wer dies nicht erfüllt, schult nicht nach aktueller vfdb-Richtlinie!

Wir bieten den Kurs daher von Montag bis Freitag und am darauffolgenden Montag und Dienstag an. Der Samstag und Sonntag sind jeweils unterrichtsfrei. Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten Sie ein Zertifikat „Brandschutzbeauftragter“. Unsere Lehrgänge zur Ausbildung von Brandschutzbeauftragten werden von Industrie, Feuerwehr, Versicherungen und Behörden anerkannt. Sie dürfen sich also nach Besuch unseres Lehrgangs Brandschutzbeauftragter nennen!

Das vom VBBD veröffentlichte Merkblatt zu den Mindestanforderungen der Brandschutzbeauftragten-Ausbildung finden Sie hier.

Zur Qualitätssicherung der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten sind wir Mitglied im Verein der Brandschutzbeauftragten in Deutschland e.V. (vbbd) und in der Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes (vfdb).

Aktuelle Termine zur Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten anzeigen

Von allen(!) anerkannt…

Der Begriff „Brandschutzbeauftragter“ ist nicht gesetzlich geschützt, daher auch nicht die entsprechende Ausbildung.

Unsere Lehrgänge zur Ausbildung von Brandschutzbeauftragten werden von allen anerkannt – Industrie, Feuerwehr, Versicherungen, Behörden…

Sie dürfen sich also nach Besuch unseres Lehrgangs Brandschutzbeauftragter nennen!


 

Das sagen unsere Teilnehmer

„Der Lehrgang war kompakt, herausfordernd und kurzweilig. Die Interaktion mit den Dozenten stimmte, die äußeren Rahmenbedingungen waren einwandfrei. Am Ende war das Fundament für die Arbeit eines Brandschutzbeauftragten gelegt. Ich kann den Lehrgang jederzeit weiterempfehlen.“

Konrad Heuer, GWDG, Göttingen
„Ein in vielerlei Hinsicht positives Feedback kann ich vom Seminar Brandschutzbeauftragter nur geben. Der Unterricht war immer sehr interessant und kurzweilig gestaltet. Vor allem der Bezug zwischen Theorie und Praxis anhand der vielen Beispiele sorgte dafür, dass der Seminarinhalt klar und verständlich vermittelt wurde. Als sehr angenehm empfand ich es, dass die Seminareinheiten von verschiedenen Referenten gehalten wurden, die zudem immer sehr gut auf die Fragen der Teilnehmer eingegangen sind. Neben der Theorie kam aber auch die Praxis nicht zu kurz; die aktive Teilnahme an einer Löschübung und die Besichtigung einer Feuerwehr – mit dem Blick hinter die Kulissen – waren sehr spannend. Auch die Organisation – vom Seminarraum bis zur Verpflegung – war gut. Erwähnenswert ist auch die gute Vorbereitung auf die abschließende Prüfung.“

Andrea Resch, Schmidt Gruppe
„Mir hat der Kursus zum Brandschutzbeauftragten sehr gut gefallen! Es wurden alle Themen zu einem guten Verständnis rüber gebracht. Das gesamte Umfeld, inkl. des praktischen Teils waren sehr gut organisiert und optimal in der Durchführung. Ich hoffe nochmal in das Haus der Technik zurückzukehren, um weitere Kurse zu besuchen.“

Frank Wunderlich, Vopak Dupeg Terminal Hamburg GmbH
„Den Lehrgang zum Brandschutzbeauftragten habe ich mit Freude absolviert und hatte während der 6-tägigen Schulungsdauer kein einziges Mal das Gefühl, etwas Unnötiges zu hören. Die Inhalte waren sehr praxisbezogen und wurden durch den dann folgenden praktischen Teil super ergänzt. Es wird zu Recht der Eindruck hinterlassen, dass das Thema Brandschutz sehr wichtig ist und leider in der Praxis oft viel zu kurz kommt.“

Robin Woiwode, ESSMANN GmbH
„Ich war im September 2012 zum Lehrgang „Brandschutzbeauftragter“ beim Haus der Technik. Die Kompetenz und Erfahrung der Dozenten sowie die Mischung aus theoretischem und praktischen Anteil machten diesen Lehrgang sehr interessant und kurzweilig.“

Stefan Finke, Kronoply GmbH
„Im Herbst 2003 sollte ich für meinen Arbeitgeber die Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten absolvieren. Es gab damals wohl einige Anbieter, aber die boten nur mehrwöchige Kurse an. Das Haus der Technik hatte als Vorreiter im Nahbereich Essen jedoch einen einwöchigen Kompaktkurs im Bildungsprogramm, der von meinem Arbeitgeber gebucht wurde. Der Kurs, ausgerichtet durch das Ing. Büro Voss, war sehr umfangreich in Theorie und Praxis, abgestimmt auf das wesentliche Know-how, was man als zukünftiger Brandschutzbeauftragter wissen sollte. Der Unterricht fand aufgeteilt auf mehrere Dozenten des Ing. Büro Voss von Montag bis Freitag von 08:00 -18:00 h statt. Das Highlight waren jeweils die Unterrichtseinheiten mit Herrn Voss, der uns als Schnellsprecher das geballte Grundwissen in gefühlten 20 Sätzen pro Minute um die Ohren haute. Die Prüfung absolvierten alle Teilnehmer mit Erfolg, mit einigen Kursteilnehmern bin ich bis heute in Kontakt. Als jährliche Fortbildungsmaßnahme ist eine Anmeldung zu den Essener Brandschutztagen, die auch durch das Ing. Büro Voss ausgerichtet werden, eine liebgewonnene Gewohnheit geworden. In familiärer Atmosphäre werden News rund um das Thema Brandschutz vermittelt.“

Volker Busch, Ruhrverband
„Alles prima.“

Gerold Müller, Gundermann Gebäudetechnik


Hintergrundinformationen

Brandschutz ist erst dann effektiv, wenn die baulichen und technischen Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind und alle organisatorischen und personellen Brandschutzmaßnahmen realisiert wurden. Wenn nicht bereits durch die Behörde oder den Brandversicherer gefordert, ist die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten eine wichtige betriebliche Maßnahme. Von vielen deutschen Betrieben und Einrichtungen sind die Vorteile, welche die Anwesenheit eines Brandschutzbeauftragten bietet, klar erkannt worden.

Die Berufsgenossenschaft und die Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes (vfdb) hatten ursprünglich die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten für Industrie-, Handwerks- und Transportbetriebe bei geringem Brandrisiko ab 250 Mitarbeitern, bei mittlerem Brandrisiko ab 175 Mitarbeitern und bei großem Brandrisiko ab 100 Mitarbeitern vorgeschlagen. Bürobetrieben und Verwaltungen wird ab 400 durchschnittlich im Betrieb anwesenden Personen die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten empfohlen. Bei Hotels, Gaststätten, Versammlungsstätten und Geschäftshäusern gilt die Empfehlung ab 250 und bei Krankenhäusern und Heimen ab 100 durchschnittlich anwesenden Personen. Teilweise verlangen die Behörden aber auch schon von Firmen mit 50 Mitarbeitern die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten!

Auch Brandversicherer fordern die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten im Einzelfall!

In der neusten Version der vfbd-Richtlinie verschwinden die o.g. Mitarbeiter-Zahlen wieder. Hier heißt es: „Brandschutzbeauftragte können grundsätzlich in jedem Betrieb oder jeder Einrichtung bestellt werden. In Betrieben mit erhöhter Brandgefahr oder aufgrund anderer gesetzlicher Forderungen können Brandschutzbeauftragte notwendig sein.“

Die Industriebaurichtlinie schreibt die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten vor für Betreiber eines Industriebaus mit einer Summe der Geschossflächen von insgesamt mehr als 5000 Quadratmetern.

Die Verkaufsstättenverordnung schreibt vor, dass der Betreiber einer Verkaufsstätte einen Brandschutzbeauftragten zu bestellen hat.

Ein Brandschutzbeauftragter wird vom Arbeitgeber schriftlich beauftragt.

In unseren Lehrgängen wird selbstverständlich auf die aktuelle Rechtslage eingegangen. Hier arbeiten wir auch eng mit den Feuerwehren Essen und Bochum zusammen, um den Qualitätsstand hoch zu halten! Eine Löschübung sorgt dabei für Praxisnähe.

Das Haus der Technik hat bisher weit über Tausend Brandschutzbeauftragte erfolgreich geschult!

Brandschutz-Update mit Begehung der VELTINS-Arena auf Schalke

Die ständigen Neuerungen im Brand- und Explosionsschutz machen es erforderlich, dass sich auch Brandschutzbeauftragte in regelmäßigen Zeitabständen weiterbilden und informieren.

Das Wissen und die Kenntnisse der Brandschutzbeauftragen werden bei der Tagesveranstaltung auf den neuesten Stand gebracht; über aktuelle rechtliche und technische Entwicklungen im vorbeugenden Brandschutz wird berichtet, die jüngsten Schadensereignisse werden analysiert und Maßnahmen abgeleitet. Mit der Thematik Brandschutzmanagement werden Sie mit der systematischen Vorgehensweise im vorbeugenden Brandschutz vertraut gemacht. Damit zusammenhängend wird die erforderliche Dokumentation im Brandschutz noch einmal durchgegangen. Die wesentlichen Aspekte eines Evakuierungskonzeptes werden Ihnen erläutert, und Sie erhalten einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Adressen zum Brandschutz im Internet.

Die Veranstaltung ist eine Fortbildung für Brandschutzbeauftragte, richtet sich aber auch an alle Brandschutz-Verantwortliche aus Industrie, Handel und Verwaltung, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Leiter von Baubehörden, Versicherungsfachleute, Planungsingenieure und sonstige Interessenten.

Der nächste Termin unseres Brandschutz-Updates mit Begehung der VELTINS-Arena auf Schalke:

03.04.2017 in Essen

13.11.2017 in Essen

Weitere Orte und Termine unserer Weiterbildung von Brandschutzbeauftragten:

25. – 26.04.2017 in Bingen

30. – 31.05.2017 im Kloster Andechs

27. – 28.06.2017 in Koblenz

17. – 18.07.2017 in Konstanz

31.08. – 01.09.2017 in Timmendorfer Strand

am 25. – 26.09.2017 in Halle (Westfalen)

18. Essener Brandschutztage mit fachbegleitender Ausstellung:

14. – 15.11.2017 in Essen

Betrieblicher Brandschutz bei DuPont am Standort Wuppertal

DuPont Performance Coatings zählt zu den weltweit größten Lackherstellern. Diese strategische Geschäftseinheit von DuPont ist Marktführer bei Autoreparaturlacken und einer der größten Hersteller von Autoserien-, Pulver- und Industrielacken sowie digitalen Tinten.DuPont Performance Coatings beschäftigt weltweit ca. 12.000 Mitarbeiter und ist in 35 Ländern tätig.

Als Interviewpartner stand uns der Leiter Brandschutz / Werkfeuerwehr des Werks 2 in Wuppertal, Herr Dipl.-Ing. Andreas Kalker, Rede und Antwort zur Thematik „Betrieblicher Brandschutz“ bei DuPont Performance Coatings GmbH in Wuppertal.

Die Fragen für Brandschutzbeauftragter.de stellte Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss, renommierter Brandschutzexperte und Leiter der Essener Brandschutztage.
Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss: Ich freue mich, dass Sie die Zeit finden, mit uns über den betrieblichen Brandschutz in Ihrem Wuppertaler Werk zu sprechen. DuPont ist ja für jeden Fachmann in der Sicherheit ein Vorzeige-Unternehmen, bekannt ist aber nach außen doch das Allerwenigste.

Dip.-Ing. Andreas Kalker (lacht): Sie haben beim Rundgang durch unser Werk selbst einen Eindruck bekommen können, dass Sicherheitsmaßnahmen bei uns groß geschrieben und vor allem auch gelebt werden. Die niedrigen Zahlen bei Unfällen und Zwischenfällen sprechen für sich – und für unsere Maßnahmen.

Voss: Erzählen Sie uns gerne von den Bemühungen im betrieblichen Brandschutz.


Specials

Zusatzmaterial zum Interview: Check- und Prüflisten im Brand- und Explosionsschutz

Laden Sie unsere umfangreichen Check- und Prüflisten im Brand- und Explosionsschutz kostenlos als PDF-Datei.


Kalker: Der betriebliche Brandschutz stellt ja das Bindeglied zwischen vorbeugenden Brandschutz und dem abwehrenden Brandschutz dar. Er umfasst sowohl präventive Maßnahmen zur Brandverhütung als auch erste abwehrende Maßnahmen nach einer Brandentstehung, die durch unsere Betriebsangehörigen durchgeführt werden. Zu den präventiven Maßnahmen in unserem Werk gehören auch die Kontrolle des baulichen Brandschutzes (z.B. Wand- und Deckendurchbrüche), die Funktion der Feuerschutzabschlüsse und Feststellanlagen, monatliche Kontrollen der Feuerlöscher hinsichtlich ihrer Standorte und offensichtlichen Mängel, das Freihalten von Rettungswegen und natürlich die allgemeine Ordnung und Sauberkeit.

Voss: Wie werden diese Maßnahmen bei Ihnen durchgeführt und kontrolliert?

Kalker: Die genannten Maßnahmen erfolgen im Rahmen von Begehungen, den sogenannten „1st Party Audits“, die durch die Mitarbeiter in Verbindung mit den Vorgesetzten – sprich Schichtführern, Meistern und Produktionsleitern – in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Die festgestellten Mängel werden dann in einer zentralen Datenbank erfasst und kontrolliert. Die Kontrolle des anlagetechnischen Brandschutzes – Brandmeldeanlagen und Löschanlagen – erfolgt durch die Werkfeuerwehr, die Festlegung von Sicherungsmaßnahmen bei der Durchführung von gefährlichen Arbeiten (z.B. Heißarbeiten, Einstieg in Behälter und enge Räume) durch den Betreiber, Planer, Betriebsingenieur und die Werkfeuerwehr. Zu den abwehrenden Maßnahmen gehören auch die Bekämpfung von Entstehungsbränden, der Schutz der Mitarbeiter durch frühzeitige Gebäuderäumung bei Auslösung des Gebäuderäumungssignals, die Vollzähligkeitsmeldung der Mitarbeiter am Sammelplatz an die Sicherheitszentrale, die Betätigung des Gebäude-Not-Aus und die Einweisung der Werkfeuerwehr.

Voss: Wie gewährleisten Sie dieses umfassende Aufgabenpaket in der Praxis? Werden bei Ihnen regelmäßig Übungen durchgeführt?

Kalker: Um den betrieblichen Brandschutz durch die Mitarbeiter zu gewährleisten werden natürlich regelmäßig Schulungen mit praktischen Übungen durchgeführt. Für unseren betrieblichen Brandschutz ist es unerlässlich, alle Mitarbeiter des Unternehmens zu unterweisen. Schulungen helfen hierbei sowohl die notwendige Qualifikation für die ersten abwehrenden Maßnahmen zu erlangen, als auch eine Sensibilisierung der Mitarbeiter im Hinblick auf Brandprävention.

Die Ausbildung in der Handhabung von Feuerlöschern und Verhalten bei Feuer- und Gebäudealarm muss von jedem Werksangehörigen regelmäßig besucht werden. Hierbei erfolgt eine Einteilung nach der Gefährdung am Arbeitsplatz. Hierbei erfolgt die Schulung für Mitarbeiter der Produktion und Lagerbereiche jährlich, in Laborbereichen alle 3 Jahre und im Verwaltungsbereich alle 5 Jahre. Die Schulungsdauer beträgt 2 Stunden und enthält einen theoretischen sowie praktischen Teil auf dem internen Brandplatz. Die Schulung hat eine maximale Gruppengröße von 20 Mitarbeitern und wird von April bis November jeden Mittwoch – 2 Schulungen pro Tag – angeboten.

Durch die regelmäßigen Schulungen ist eine frühzeitige Brandbekämpfung von Entstehungsbränden in den Anlagen und Gebäuden durch geschulte Mitarbeiter gewährleistet.

Voss: Auf den 10. Essener Brandschutztagen im November werden Sie im Haus der Technik auch von speziellen Schulungsmaßnahmen für Brandschutzposten und Sicherungsposten bei Einsteigearbeiten berichten.

Kalker: Ja, wir führen Ausbildungen der Mitarbeiter zum Brandschutzposten und Sicherungsposten bei Einsteigearbeiten durch.Der Brandschutzposten beaufsichtigt Arbeiten nach unserer SHE-Richtlinie SHE-R-001 „Arbeiten mit Zündgefahren“ und überprüft die Einhaltung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen.

Um als Brandschutzposten eingesetzt zu werden, muss ein 1-Tages-Seminar mit festgelegten Grundlagen bei der Werkfeuerwehr besucht werden. Den Teilnehmern werden dabei neben den SHE-Richtlinien, der Brand- und Löschlehre und den Löschmitteln und Löschverfahren auch die Gefahren bei Schweiß-, Löt-, Brenn-, Trenn- und Schleifarbeiten, die Absicherung bei Arbeiten mit Zündgefahren, Aufbau und Wirkungsweise des Feuerlöschers, das Gasmessverfahren und die Alarmierung und die Alarmmittel praxisnah erläutert. Eine praktische Löschübung am Brandplatz gehört ebenso dazu.

Der Sicherungsposten in unserem Werk beaufsichtigt Arbeiten nach SHE-Richtlinie SHE-R-002 „Arbeiten in Behältern und engen Räumen“ und überprüft die Einhaltung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen. Um als Sicherungsposten eingesetzt zu werden, muss ebenfalls ein 1-Tages-Seminar mit festgelegten Inhalten bei der Werkfeuerwehr besucht werden:SHE-Richtlinien, rechtliche Grundlagen, Atmung und Atemgifte, Gewöhnungs- und Arbeitsübung mit Geräten, Einsatzhinweise bei Arbeiten unter Atemschutz, die Beaufsichtigung von Arbeiten unter Atemschutz und umluftunabhängige Atemschutzgeräte. Für das Seminar ist eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung – die Atemschutztauglichkeit nach G 26.3 – erforderlich. Das Seminar ist nach BGR 190 vorgeschrieben. Um die Qualifikation zu erhalten, ist für den Brandschutzposten der Besuch eines Auffrischungsseminars alle 3 Jahre und für den Sicherungsposten der Besuch eines Auffrischungsseminars jährlich erforderlich. Alle Brandschutz- und Sicherungsposten erhalten einen Ausweis mit Art der Ausbildung und Ausbildungs- bzw. Gültigkeitsdatum, damit die Eignung für den Einsatz an der Arbeitsstelle nachweisbar ist.

Voss: Das war sehr umfassend und interessant. Wie gehen Sie mit genehmigungspflichtigen Arbeiten konkret um? Sicherlich wird es auch bei Ihnen Arbeitsgenehmigungen geben.

Kalker: Am Standort Wuppertal regeln die SHE-Richtlinien SHE-R-001 bis SHE-R-007 das Verfahren für genehmigungspflichtige Arbeiten. Die dazugehörige Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung, die daraus resultierende Festlegung von Sicherheitsmaßnahmen gemäß dem allgemeinen Maßnahmenkatalog sowie das Berücksichtigen von evtl. notwendigen speziellen Arbeitserlaubnissen und die Bestätigung der Überprüfung durch die Unterschriftsberechtigten in der Freigabe machen in ihrer Gesamtheit das Verfahren für genehmigungspflichtige Arbeiten aus.

Diese Vorgehensweise soll sicherstellen, dass mögliche Gefahren im Vorfeld erkannt und durch geeignete Maßnahmen, sowohl organisatorischer wie auch technischer Art, ausgeschlossen werden. Dies soll dazu führen, dass Risiken bei jeder Art von Arbeiten insbesondere bei Abschalt-, Wartungs-, Reparatur-, Projekt- und Inbetriebnahmearbeiten an und in Anlagen eliminiert werden. Dieser Prozess wird unterstützt durch das Ausstellen einer Arbeitsgenehmigung nach dieser Richtlinie.

Für Arbeiten, die mit besonderen Gefahren wie Arbeiten mit Zündgefahren,Arbeiten in Behältern und in engen Räumen, Schachtarbeiten, Kern- und Tiefbohrungen, spezielle Gefahren (z.B. Arbeiten mit ionisierenden Strahlen) und dem Öffnen von Anlagen oder Systemen verbunden sind, ist grundsätzlich eine schriftliche Arbeitserlaubnis bei uns erforderlich. Hierin müssen anhand einer Gefährdungsbeurteilung die Gefahren aufgezeigt und die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen zur Gewährleistung sicherer Arbeitsabläufe festgelegt werden.

Voss: Wie erfolgt die Dokumentation dieser Arbeiten bei Ihnen?

Kalker: Die Dokumentation erfolgt auf dem Formular „Arbeitsgenehmigung für nicht routinemäßige Arbeiten“. Das ist ein weißer Schein. Für Arbeiten mit besonderen Gefahren muss zusätzlich das Formular „Arbeitsgenehmigung“ (grüner Schein) ausgefüllt werden. Der „grüne Schein“ darf nur in Verbindung mit dem „weißen Schein“ verwendet werden. Eine alleinige Verwendung des „grünen Scheins“ ist nicht zulässig.

Voss: Herr Kalker, ich möchte mich auch im Namen der Leser bei Ihnen herzlich für die interessanten Ausführungen bedanken.


DuPont Performance Coatings

Allgemeines zum Standort Wuppertal

In den beiden Wuppertaler Werken produzieren gut 2.500 Mitarbeiter jährlich ca. 120.000 Tonnen Hightech-Lack und Kunstharzprodukte.

Im Werk 1 sind Laboratorien, Forschungseinrichtungen und die Verwaltung auf einer Fläche von ca. 5 ha ansässig.

Im Werk 2 ist die Produktion auf einer Fläche von ca. 27 ha mit den 3 Geschäftsfeldern:

  • DuPont Automotive Systems (Autoserienlack),
  • DPC Refinish (Autoreparaturlack),
  • DuPont Industrial Coatings (Industrielacke)

angesiedelt. Der Standort Werk 2 unterliegt, aufgrund der Kunstharzproduktion und bestimmter Rohstoffe für die Lackherstellung, der Störfallverordnung.

Auf Anordnung der Bezirksregierung Düsseldorf muss zur Gefahrenabwehr am Standort Wuppertal Werk 2 eine hauptberufliche Werkfeuerwehr mit einer Einsatzstärke von 9 Feuerwehrmännern (Gruppe 1:8) rund um die Uhr einsatzbereit sein.

Bedeutung des Arbeits- und Brandschutzes in deutschen Unternehmen

Von Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss, Friedberg

Auszug aus dem Fachartikel, erschienen in: Technische Mitteilungen, 99. Jahrgang – Heft 3, 2006, S. 311 ff.
Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende des Artikels.

Nicht zuletzt der schwere Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland mit 23 Toten oder die Gas-Explosion in der Nähe von Ansbach mit fünf Toten – beides im September 2006 -, auch die Brände an der Universität Würzburg (April 2006), bei Volkswagen in Baunatal (Mai 2006), auf der Bremerhavener Lloyd-Werft (August 2006) und der Mülldeponie in Wunstorf bei Hannover (August 2006) zeigen uns unsere „sicherheitstechnischen Grenzen“ auf und zeugen von einer Vielfalt und Gnadenlosigkeit, wie und wo Unfälle und Brände passieren können.

Um hier bessere Aufklärungsarbeit zu betreiben und Unternehmen zu systematischerem Arbeits- und Brandschutz anzuregen, hat sich mein Ingenieurbüro im Jahre 1999 der Idee verschrieben, Daten und Fakten aus den deutschen Unternehmen zu sammeln und systematisch auszuwerten.
(…)

Die Auswertung soll Sie informieren und ggf. anregen, aus guten Aspekten oder auch aus Fehlern anderer zu lernen.

Diesen Ausspruch hinsichtlich des Brandschutzes kennen Sie sicherlich: „Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss“, so das bekannte Rechtsurteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aus dem Jahre 1987.

Aus den Auswertungen der Brandversicherer und der Berufsfeuerwehren wissen wir, dass Brände einen Schaden von durchschnittlich 125.000 € verursachen werden. Neben dem reinen Brandschaden müssen Sie aber mit drei- bis zehnmal höheren Folgekosten rechnen. Maßgeblich hierfür sind neben dem Löschwasserschaden und erhöhten Auflagen als Folge natürlich der Imageverlust und der Produktionsausfall.Großschadensereignisse, sprich Brände mit einem reinen Brandschaden größer 500.000 Euro (Millionenschäden in DM), ereignen sich ca. 200 pro Jahr in Deutschland, Brandtote sind jährlich (nur) zirka 700 zu beklagen.Eine nachdenklich stimmende Aussage ist der Prozentsatz der Insolvenzen betroffener Betriebe nach Großschadensereignissen – diese liegt bei 40 Prozent sofort nach Schadenereignis und bei insgesamt 70 Prozent im Laufe des Folgejahres. Sprich zwei Drittel deutscher Unternehmen werden Großschadensereignisse nach Bränden oder Explosionen betriebswirtschaftlich nicht „überleben“.

Übrigens: was gewerblich gilt, gilt für Sie privat auch.Jeden Tag gibt es in Deutschland 150 Wohnungsbrände – nicht alle müssen so katastrophal enden wie die bekannten Brände einer Obdachenlosen-Unterkunft in Halberstadt (Dezember 2005, 9 Tote) oder die Brandstiftung in einem Wohnhaus in Berlin-Moabit (August 2005, 8 Tote).Der durchschnittliche finanzielle Schaden beläuft sich dabei auf ca. 20.000 Euro. Der persönliche und psychische Schaden ist dagegen nicht bezifferbar.

Drei Fragen deshalb auch für zuhause:

  • Haben Sie zuhause Brandmelder?
  • Wussten Sie, dass der häufigste private Brandstifter (ungewollt) ein dreijähriges Kind ist?
  • Lassen Sie zuhause Kerzen unbeaufsichtigt brennen?

Dies ist für uns auch Anlass, seit 1999 systematisch deutsche Unternehmen hinsichtlich wesentlicher Aspekte des Arbeits- und Brandschutzes zu befragen. Der zweite Ansatzpunkt sind die hohen Unfallzahlen, die uns die Berufsgenossenschaften jedes Jahr von neuem präsentieren und klare Verbesserungspotenziale auszeigen sollten.

Mittlerweile haben wir 850 Unternehmen erfasst, die uns freundlich offen mit Informationen unterstützt haben.Die Ergebnisse sind teilweise verblüffend und geben uns Anlass, weiterhin verstärkt Werbung für die grundsätzlichen Maßgaben des Arbeits- und Brandschutzes zu machen. Denn Arbeits- und Brandschutz beginnt „an der eigenen Tür“.
(…)

Die Anzahl der Feuerlöscher ist von den Brandversicherern und von den Berufsgenossenschaften in Deutschland vorgeschrieben.Beim baulichen Brandschutz fallen insbesondere wiederholt auf, dass Brandwände nach Durchbrüchen nicht fachgerecht geschlossen und durch die Fachfirmen entsprechend gekennzeichnet werden.Die Gefährdungsbeurteilung ist mit dem Arbeitsschutzgesetz seit 1996 in Deutschland sogar gesetzlich gefordert. Sie ist ein ganz wesentliches Werkzeug für den systematischen Arbeitsschutz auch in Ihrem Unternehmen.Flucht- und Rettungspläne sind mit der Arbeitsstättenverordnung in Deutschland seit 1975 für die Unternehmen verpflichtet, wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte diese erfordern – und davon sind meiner Schätzung nach mindestens die Hälfte betroffen.
(…)

Brandschutzbegehungen sind von den Berufsgenossenschaften angeregt, mindestens alle zwei Jahre in deutschen Unternehmen durchzuführen. Es ist auf jeden Fall erst einmal Ihr eigenes Interesse, sich mit Ihren Brandgefahren und Brandlasten systematisch auseinander zu setzen. Idee: verbinden Sie Ihre jährliche Sicherheitsbegehung doch auch um die Aspekte des vorbeugenden Brandschutzes.Löschübungen sind in Deutschland spätestens seit Januar 2004 mit der neuen Unfallverhütungsvorschrift BGV A1 „Grundsätze der Prävention“ verpflichtet. Hier hat der Arbeitgeber eine ausreichende Zahl von Mitarbeiter (er bestimmt die Anzahl nach seinen betrieblichen Belangen natürlich selbst) in den Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen einzuweisen und üben zu lassen.Die erschreckende Tatsache, dass vier von fünf deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter im Arbeitsschutz nicht unterweisen, ist ja eine Tatsache, die uns bereits die Berufsgenossenschaften regelmäßig „angeprangert“ haben. Mit dem Nichtdurchführen von Unterweisungen versäumen Sie als Unternehmer eine ganz wesentliche und effektive Möglichkeit, auf Ihre Mitarbeiter im Arbeitsschutz Einfluss nehmen zu können. Seit Januar 2004 müssen in Deutschland alle Unterweisungen auch schriftlich festgehalten werden („If you didn´t document it, you didn´t do it“, sagt ein großes amerikanisches Unternehmen treffend).
(…)

Bei den Vorgesetzten im Unternehmen fängt der Arbeitsschutz an. Wenn dieser die wesentlichen Maßgaben des Arbeits- und Brandschutzes nicht kennt, kann es in seinem Unternehmen „nicht laufen“. Daher kann der Informationsfluss im Arbeits- und Brandschutz über den Vorgesetzten ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg sein.
(…)

Dass sich „schlecht gelebter“ Arbeits- und Brandschutz von den Vorgesetzten auf die Mitarbeiter übertragen würde, ist selbstverständlich. Mich persönlich ernüchtert z.B., dass nur etwa jeder achte Mitarbeiter weiß, bei welcher Berufsgenossenschaft sein Leib und Leben versichert ist – er weiß aber, wo sein Auto und seine Haustiere versichert sind.

Stellen Sie sich weiterhin vor, dass aufgrund eines schweren Unfalls oder eines Brandes die Rettungskette einzuleiten ist. Häufig wissen die Mitarbeiter nicht, wo das nächste Telefon ist. Dann wird automatisch die „112“ als Notrufnummer gewählt, die aus den Betrieben heraus häufig nicht zur Verbindung mit der Rettungsleitstelle führt. Bei der Ortsangabe werden dann unklare oder falsche Aussagen getroffen, und und und…

Begünstigt von der Stresssituation, der sich beim Notfall automatisch einstellt, möchte ich es Ihrer Phantasie überlassen, sich auszumalen, wie eine Rettungskette nun ablaufen würde (oder natürlich eher hoffentlich nicht). Die Rettungsleitstellen sagen uns übrigens, dass jede zweite Rettungskette falsch oder fehlerhaft durch den Anrufer eingeleitet wird. Die Berufsgenossenschaften satteln noch auf und sagen, dass jeder zehnte tödliche Arbeitsunfall – wenn richtig und rechtzeitig gemeldet worden wäre – nicht hätte tödlich verlaufen müssen.

Nach Aussagen der Brandversicherer ist der mögliche Löscherfolg durch Laien bei Entstehungsbränden übrigens mit 2/3 beziffert. Aber hängen die richtigen Feuerlöscher am richtigen Ort? Wissen Ihre Mitarbeiter, wo sich der nächste Feuerlöscher an seinem Arbeitsplatz befindet? Weiß der Mitarbeiter, wie der Feuerlöscher zu benutzen ist?Die traurigen Wahrheit finden Sie in den Befragungsergebnissen.


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